Es gibt Wörter, bei denen sofort Bilder im Kopf entstehen:
Urlaub, Frühling, Lieblingsblumen…
Und dann gibt es das Wort: Kleiderschrank.
Es gibt Wörter, bei denen sofort Bilder im Kopf entstehen.
Schon wenn dieses Wort in einem Gespräch ganz nebenbei aufploppt, verändert sich die Stimmung. Manche Frauen lachen verlegen, andere verdrehen die Augen, wieder andere holen tief Luft oder winken sofort ab – als hätte ich gerade eine besonders unangenehme Aufgabe angekündigt.
Ich muss dann oft schmunzeln. Noch habe ich nichts vom Aufräumen gesagt, nichts vom Aussortieren und auch nicht von Ordnung. Es fiel lediglich dieses eine Wort – und schon merke ich, dass ich einen empfindlichen Nerv getroffen habe.
Warum löst ausgerechnet der Kleiderschrank so viele Gefühle aus?
Erstaunlich, oder? Schließlich reden wir doch nur über einen Schrank.
Zumindest glauben wir das. In Wirklichkeit geht es um viel mehr. Und genau das spüren wir. Deshalb trifft dieses Thema viele Frauen schmerzhaft mitten ins Herz.
Dein Kleiderschrank erzählt mehr über dich, als du vielleicht denkst
Nach vielen Jahren als Typ- und Imageberaterin bin ich überzeugt, dass der Kleiderschrank selten die eigentliche Baustelle ist. Er zeigt allerdings deutlich, was sich über viele Jahre angesammelt hat.
Er ist aber weit mehr als ein Ort, an dem Pullover, Blusen und Hosen hängen. Er erzählt Geschichten von Entscheidungen, die du einmal getroffen hast, von Kleidungsstücken, die du voller Begeisterung gekauft und anschließend kaum oder nie getragen hast.
Da hängt das schwarze Kostümchen aus der ersten Führungsposition. Daneben das Glitzerkleid für eine Hochzeit, das seit Jahren auf seinen nächsten großen Auftritt wartet. Die knallenge Lieblingsjeans von früher darf ebenfalls bleiben – man weiß ja nie, ob sie vielleicht doch eines Tages wie durch Zauberhand wieder passt. Und irgendwo dazwischen findet sich fast immer ein Teil, das im Sale einfach zu verlockend war.
Wenn ich gemeinsam mit einer Kundin die Schranktüren öffne, begegnen mir oft mehrere Frauen gleichzeitig. Es scheint, als würden sich verschiedene Lebensphasen morgens zu Wort melden.
Der Schrank erzählt von Erinnerungen, Hoffnungen und manchmal auch von der Frau, die sie einmal war, gern gewesen wäre oder vielleicht noch immer sein möchte.
Kein Wunder, dass das Anziehen morgens oft schon Kraft kostet, obwohl die Energie doch eigentlich für den Tag gebraucht wird.
Deshalb sehe ich einen Kleiderschrank nie als das eigentliche Problem. Er ist ein ehrlicher Spiegel und zeigt dir, wie klar dein Blick auf dich selbst im Moment ist.
Kleidung kauft niemand mit der Absicht, sie nie zu tragen
Ein spannender Gedanke, oder?
Keine Frau nimmt im Geschäft ein Kleidungsstück in die Hand und denkt: Das kaufe ich jetzt und lasse es anschließend zwei Jahre im Schrank hängen.
Wir kaufen, weil uns etwas gefällt. Weil die Verkäuferin so überzeugt war, weil die Freundin begeistert genickt hat und weil der Preis einfach unschlagbar mit seinem orangefarbenen „Sale-Schild“ gewunken hat.
Und manchmal hoffen wir, dass genau dieses Kleidungsstück uns endlich zu der Frau macht, die wir gern sein möchten. Jedes einzelne Teil hat in diesem Moment auch seine Berechtigung.
Erst viele Jahre später entsteht daraus ein Schrank, der aus allen Nähten platzt – und trotzdem morgens das Gefühl hinterlässt, nichts Passendes zum Anziehen zu besitzen.
Ordnung beginnt im Kopf
Den Satz kennst du sicher: „Ich müsste meinen Kleiderschrank dringend mal ausmisten.“
Und genau an dieser Stelle beginnen viele Frauen mit großem Elan. Sie kaufen neue Boxen, falten T‑Shirts nach einer ausgeklügelten Methode, sortieren Blusen nach Farben oder beschriften ihre Schrankfächer mit bunten Etiketten.

Das sieht eine Zeit lang wunderbar aus. Doch oft kehrt das Chaos schneller zurück, als einem lieb ist.
Ein stimmiger Kleiderschrank entsteht nämlich nicht durch das perfekte Ordnungssystem.
Entscheidend ist, dass die Kleidung darin wirklich zu dir passt, dass jedes Teil seinen Platz verdient hat und sich mit den anderen gut kombinieren lässt. Erst dann fühlt sich dein Kleiderschrank so richtig nach dir an.
Deshalb lohnt sich ein Blick hinter die Kleiderbügel
Wenn du deinen Kleiderschrank nur neu sortierst, schaffst du meist auch nur für kurze Zeit Ordnung.
Spannend wird es, wenn du dir beim Aussortieren ein paar ehrliche Fragen stellst.
- Warum hängt dieses Kleidungsstück eigentlich noch hier?
- Ziehe ich es wirklich gern an oder gefällt mir nur der Stil?
- Passt es noch zu meinem Leben heute?
- Passt es zu meiner Persönlichkeit?
- Zeigt es die Frau, die ich heute bin?
Diese Fragen sind oft viel wertvoller als die Entscheidung, welcher Pullover auf welchen Stapel gehört.
Und dann gibt es die spannenden Frage, die deine volle Aufmerksamkeit möchten:
- Wie möchte ich wirken?
- Wer bin ich heute eigentlich?
- Welche Kleidung unterstützt meine Persönlichkeit?
- Welche Farben bringen mich zum Strahlen?
- Welche Schnitte schmeicheln meinem Körper – und welche versuche ich vielleicht nur zu tragen, weil ich einem Idealbild hinterherlaufe?
Solange du diese Fragen unbeantwortet lässt, wird jeder Einkauf ein kleines Experiment. Mal gelingt es und mal landet das neue Kleidungsstück nach kurzer Zeit ganz hinten im Schrank, weil es nie wirklich zu dir gepasst hat.
Das Männlein im Ohr
Höre einmal deinen Gedanken zu, denn beim Aussortieren begegnen dir sicherlich immer wieder alte Glaubenssätze wie:
- „Schwarz macht schlank.“
- „Dafür bin ich zu alt.“
- „Das war so günstig, das musste ich einfach mitnehmen.“
- „Wenn ich erst wieder ein paar Kilo abgenommen habe …“
Kommt dir einer dieser Sätze bekannt vor oder fällt dir gleich noch einer dazu ein?
Dann lade ich dich ein, beim nächsten Kleiderschrank-Check einmal nicht zuerst auf die Kleidung zu schauen, sondern auf deine Gedanken – beziehungsweise, was dir das Männlein wieder mal ins Ohr flüstert…
Nimm ein Kleidungsstück in die Hand und beobachte, welcher Satz als Erstes aufploppt.
Ist das wirklich deine eigene Überzeugung oder wiederholt dein Kopf etwas, das du irgendwann übernommen hast?
Vielleicht von deiner Mutter, von einer Verkäuferin, aus einer Modezeitschrift oder einfach deshalb, weil „man“ das eben so macht. (Wer ist eigentlich dieses „man“?)
Allein diese kleine Übung verändert oft schon den Blick auf den eigenen Kleiderschrank.
Klarheit verändert mehr als deinen Kleiderschrank
Es geht nicht darum, möglichst viele Säcke für die Kleiderspende zu füllen, sondern Schritt für Schritt klarer zu werden, wer du aktuell bist und wie du wirken und dich fühlen möchtest..
Mit jedem Kleidungsstück, das den Schrank verlässt, weil es nicht mehr zu dir passt, wird nicht nur ein Bügel frei.
Es entsteht mehr Leichtigkeit, mehr Überblick, mehr Gelassenheit und vor allem mehr Platz für die Frau, die du heute bist.
Eine Farb- und Stilberatung kann diesen Weg deutlich verkürzen. Sie beantwortet viele Fragen, für die andere jahrelang brauchen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass jede Frau den ersten Schritt selbst gehen kann.
Genau deshalb habe ich meine Kleiderschrank-Checkliste „Mit System zum Wohlfühlkleiderschrank“ entwickelt. Sie begleitet dich Schritt für Schritt durch deinen Kleiderschrank und hilft dir dabei, Zusammenhänge zu erkennen und mehr Klarheit für deine Kleidung und deine Wirkung zu gewinnen – ganz ohne Druck und ohne Perfektion.
Denn darum geht es letztlich:Um einen übersichtlichen Kleiderschrank und dieses wunderbare Gefühl, morgens die Schranktür zu öffnen und zu denken:
Das hier bin ich.
Du möchtest tiefer in das Thema eintauchen?
Genau darum geht es auch in meinem Buch, das derzeit entsteht: STIL BEGINNT BEI DIRDarin zeige ich Schritt für Schritt, wie Farben, Proportionen, Persönlichkeit und Stil zusammenwirken und wie daraus ein Kleiderschrank entsteht, der sich wirklich nach dir anfühlt.
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